Nach dem Abschluss der Fachmittelschule (FMS) steht Interessierten nun ein direkter Weg an die Pädagogischen Hochschulen offen. Rahel Berchtold hat die Fachmaturität Pädagogik als eine der Ersten absolviert und berichtet von ihren Erfahrungen.
Text Rahel Berchtold, Tobias Lerch
Nach dem Erwerb des Fachmittelschulausweises kann im Kanton Bern seit zwei Jahren die Fachmaturität Pädagogik erlangt werden. Diese ermöglicht den Absolventinnen und Absolventen den direkten Zugang zu den Studiengängen am Institut der Vorschul- und Primarstufe an den Pädagogischen Hochschulen.
Das Fachmaturitätsmodul besteht aus einem sechswöchigen Praktikum in einem Kindergarten oder in einer Primarschule sowie dem Besuch eines 25-wöchigen allgemeinbildenden Moduls. Zudem wird eine schriftliche Arbeit verfasst. Diese wird im Rahmen einer mündlichen Prüfung präsentiert. Am Ende des Fachmaturitätsmoduls finden in den unterrichteten Fächern Fachmaturitätsprüfungen statt.
Rahel Berchtold gehört zu den ersten Absolventinnen der FMS Thun des neuen Bildungsganges. Im Sommer 2017 hat sie die Fachmaturität Pädagogik erfolgreich erlangt. Wie erlebte sie den Bildungsgang?
Vorpraktikum und allgemeinbildendes Modul
«Das Fachmaturitätsmodul habe ich als sehr positiv empfunden. Mein Praktikum absolvierte ich im Göttibach-Schulhaus in Thun an einer 3./4. Klasse. Dies war eine sehr tolle Erfahrung, die mir bestätigt hat, dass ich die richtige Richtung eingeschlagen hatte.
Auch das allgemeinbildende Unterrichtsmodul war gut. Vor allem, dass wir in Geschichte und Geographie auf Französisch unterrichtet worden sind, fand ich nützlich. Zu Beginn hatte ich da schon meine Bedenken, ob ich dann alles verstehe, aber diese Bedenken haben sich schnell aufgelöst. Ich fühle mich nun sicherer in der französischen Sprache.
Gewöhnungsbedürftig waren für mich die Lektionen, die für das individuelle Lernen reserviert waren. Ich kann am besten für mich zu Hause lernen, weshalb es manchmal schwierig war, die Lektionen produktiv zu nutzen. Hinzu kam auch noch, dass sie nicht in Randstunden gelegt wurden, so dass wir anschliessend wieder Unterricht hatten und der Tag sehr lang wurde.
Den Unterricht empfand ich als sehr gut. Wenn man mitmacht, kann man wirklich profitieren und muss auch nicht mehr viel auf die Prüfungen lernen. Ich finde, dass die FMS Thun mich gut auf die Fachmatur Pädagogik vorbereitet hat. Ich hatte keine grossen Schwierigkeiten den Unterrichtseinheiten zu folgen.»
Fachmaturitätsarbeit zum Thema Mobbing
«Meine Fachmaturitätsarbeit habe ich zum Thema Mobbing geschrieben. Orientiert an der Leitfrage, welche Möglichkeiten Lehrpersonen in der Grundschule haben, um auf Mobbing innerhalb ihrer Klasse zu reagieren, wird Mobbing von zwei anderen Thematiken (Streit und Hänselei), welche man ebenfalls häufig an Schulen antrifft, abgegrenzt.
Anhand von Interviews mit zwei Fachpersonen – einer Theaterpädagogin und einem Schulsozialpädagogen – wurden zwei Möglichkeiten genauer untersucht: die theaterpädagogische Intervention und der «No Blame Approach» (wörtlich «Ansatz ohne Schuldzuweisung»). Mobbing wird hier als Gruppengeschehen verstanden. Mit der Intervention verfolgt die Lehrperson das Ziel, die Gruppendynamik einer Klasse zu verändern. Auf Schuldzuweisungen oder Strafen wird verzichtet. Schliesslich habe ich das erarbeitete Wissen auf die Geschehnisse, welche ich im sechswöchigen Praktikum erlebt habe, übertragen. Dabei hat sich herausgestellt, dass es sich in dieser Klasse nicht um Mobbing gehandelt hatte, auch wenn es von allen so bezeichnet worden war. Wichtige Erkenntnisse dieser Arbeit sind für mich, dass man als Lehrperson immer achtsam bleibt und sich bewusst ist, ob eine dieser drei Thematiken in der eigenen Klasse stattfinden, um dementsprechend darauf reagieren zu können. Dazu gehört das Bewusstsein, dass es keinen einzig richtigen Lösungsweg gibt und die Lehrperson situativ entscheiden muss. Zudem sollte sie als Lehrperson die Empathie der Kinder fördern, da dies der Schlüssel zu einem erfolgreichen Sozialleben ist.»






































