Das erste Jahr nach der Fusion
Text Rektor Hans-Ueli Ruchti
Bild Markus Hubacher (BernerZeitung)
Sie lesen die erste digitale Ausgabe des JahrAus des Gymnasiums Thun. Danke, dass Sie sich auf unsere Website eingeloggt haben. Die neue digitale Form des Jahresberichts ermöglicht es uns, auch das bewegte Bild einzubeziehen, den Bericht zu verlinken, Papier und Kosten zu sparen. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.
Konsolidierungsphase und Aufbruchsstimmung
Wir blicken auf das erste Jahr Gymnasium Thun mit WMS und FMS nach geglückter Fusion zurück. Das Schuljahr war geprägt von einer breiten Konsolidierungsphase einerseits und andererseits von einer Aufbruchsstimmung in Bereichen, die während der Fusion zu kurz kamen, wie z.B. Feedbackkultur, Digitalisierung der Bildung und vieles mehr. Neben k u l t u n, MINT und Unterrichtsentwicklung allgemein hat die Schulleitung das Thema der digitale Bildung in die Agenda aufgenommen und ihm auch gleich einen zentralen Platz eingeräumt.
Digitalisierung
Die Digitalisierung unserer Gesellschaft und damit auch die Digitalisierung der Bildungsprozesse schreiten unaufhaltsam voran. Die Palette der Handlungsmöglichkeiten im Unterricht nimmt aufgrund der technischen Entwicklungen ständig zu. Wir haben uns vor diesem Hintergrund fürs nächste Schuljahr zum Ziel gesetzt, Erfahrungen in diesem Bereich gezielt auszutauschen, die Übersicht zu vergrössern, die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auf ihre Fähigkeit hin, in der Bildung Mehrwert zu erzeugen, zu untersuchen, den Handlungsbedarf zu definieren und erste Schritte in Richtung BYOD («bring your own device») einzuleiten. Parallel dazu wird die in diesem Jahr fertig gestellte Erhöhung der Netzwerk- und Serverkapazität für die Einführung eines flächendeckenden BYOD einem Praxistest unterzogen.
Qualitätssystem
Im Schuljahr 2016/17 konnte der letzte Baustein unseres Qualitätssystems, das neue Feedbackkonzept, verabschiedet werden, das im August 2017 in Kraft getreten ist.
MINT-Konzept und k u l t u n – Konzept
Auch das auf das fusionierte Gymnasium angepasste MINT-Konzept tritt diesen Sommer in Kraft. Noch auf der Basis des bisherigen MINT-Konzepts, konnten im Frühjahr 2017 über 20 Schülerinnen und Schüler ein MINT-Zertifikat entgegen nehmen. (zu den Berichten mit MINT-Bezug: «3. Rang mit Physarum polycephalum» / «Der Muskelzapper»)
Bereits ein Jahr früher startete das k u l t u n – Konzept. Der quartalsweise erscheinende Newsletter hat, soweit ich sehe, an Beachtung gewonnen, eine gezielte Auswertung steht noch aus. Die ersten k u l t u n – Zertifikate werden per Ende Schuljahr 2017/18 ausgestellt. (zu den Berichten mit k u l t u n – Bezug: «Corpus Delicti» / «Eine Aussage wagen – Politische Kunst» / «Den Band-Contest gewonnen» / «Das Openair – für einmal indoor!» / «Music from England»)
Fachmittelschule
Die Einbettung der Fachmittelschule (FMS) in die Gesamtschule scheint gut gelungen. Die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium wirkt sich sowohl positiv auf die Qualität der Schule, als auch auf die Zufriedenheit aller Beteiligten aus. Die FMS kann einerseits Synergien nutzen und andererseits auch ihre eigenen Konturen pflegen. So steht einerseits das breite Freifachangebot der Gesamtschule den Schülerinnen und Schülern der FMS offen und wird rege genutzt. So fanden beispielsweise die Sprachzertifikatskurse in Englisch und Französisch grossen Anklang. Andererseits haben FMS-spezifische Angebote wie der theaterpädagogische Unterricht, der die im Lehrplan der FMS geforderte Persönlichkeitsbildung stärkt, ihren festen Platz im FMS-Lehrgang.
Die FMS führt auf das kommende Schuljahr erstmals durchgehend auf allen drei Jahrgangsstufen je drei Klassen und hat sich damit zur zweitgrössten kantonalen FMS gemausert. Das in den letzten Jahren stetig wachsende Interesse an der FMS lässt sich unter anderem mit der 2015 neu eingeführten Fachmaturität Pädagogik erklären, welche den Absolventinnen und Absolventen den direkten Zugang ans Institut Vorschul- und Primarschulstufe (IVP) an der pädagogischen Hochschule (PH) ermöglicht. In dieser Ausgabe berichtet die Absolventin Rahel Berchtold von ihren Erfahrungen. (zum Bericht von Rahel Berchtold: «Mein direkter Weg an die PH»)
Fachmaturität
Auch die anderen beiden Fachmaturitätstypen «Gesundheit» und «Soziale Arbeit» erfreuen sich grosser Beliebtheit. Es sind mittlerweile über 50% der FMS-Abgängerinnen und -Abgänger, die sich für eine Fachmaturität entscheiden.
Wirtschaftsmittelschule
Im Sommer 2017 hat der letzte Doppeljahrgang der Wirtschaftsmittelschule (WMS) mit einer Klasse Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) Kauffrau/Kaufmann und einer Klasse EFZ mit Berufsmaturität (BM) erfolgreich abgeschlossen. Mit diesem Jahrgang endet die über dreissigjährige Tradition der WMS, interessierten Lernenden zwei Ausbildungsvarianten anbieten zu können (EFZ mit und EFZ ohne BM), weil die Variante ohne BM dem kantonalen Sparprogramm ASP zum Opfer gefallen ist. Seit Sommer 2015 bietet die WMS für neue Schülerinnen und Schüler nur noch die Variante mit BM an.
BM-Absolventinnen und Absolventen
Die BM-Absolventinnen und Absolventen machen nach drei schulischen Ausbildungsjahren ein einjähriges Praktikum und können auf ein umfangreiches Praktikumsstellennetz mit über 500 Angeboten im ganzen Kanton zugreifen. Die Stellen sind mehrheitlich im deutschsprachigen, aber auch im französischsprachigen Kantonsteil zu finden. Der Wert und die Qualität der Ausbildung an der WMS werden nicht zuletzt durch das grosse Interesse der Praktikumsbetriebe an Berufsmaturandinnen und -maturanden belegt. (zum WMS-Bericht: «Praxisfirmen treffen aufeinander»)
Neue Lektionentafel für das Gymnasium
Im Sommer 2017 trat auch die neue Lektionentafel für das Gymnasium in Kraft, die einerseits wegen des erwähnten kantonalen Sparprogramms ASP mit einer reduzierten Lektionenzahl auskommen muss und dem Gymnasium andererseits den lang ersehnten, ungebrochenen vierjährigen Bildungsgang beschert. Wie sich die Massnahmen auf die Bildung unserer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Zukunft auswirken, wird wohl erste in ein paar Jahren sichtbar.
Bildungsreise
Die Bildungsreise mit der ganzen Belegschaft in die Kartause Ittingen im Frühjahr 2017 war ein voller Erfolg und setzte einen Meilenstein in der Schulentwicklung. Es galt einerseits die erfolgreiche Umsetzung der Sparbeschlüsse, insbesondere die erfolgreiche Umsetzung der Fusion, zu feiern und andererseits die Grundlage für die zukünftige gemeinsame Schulentwicklung zu festigen. Die gesamte Belegschaft des Gymnasiums Thun hat in dieser stürmischen Zeit ihre Leistungsfähigkeit, ihre Kreativität und Solidarität unter Beweis gestellt und hat Anerkennung und ein grosses Dankeschön verdient!
Leider sind bereits die nächsten Gewitterwolken aufgezogen, weil das kantonale Amt für Grundstück und Gebäude (AGG) die räumliche Zusammenführung der beiden Standorte in Frage stellt, bzw. eigenmächtig in die weite, ungewisse Ferne verschoben hat. Diese Kehrtwende ist unverständlich, verhängnisvoll und unakzeptabel, weil …
… genau diese räumliche Zusammenführung vor der Fusion vom AGG als wichtiges und unumgängliches Ziel dargestellt und als Argument für die Fusion verwendet worden war;
… die im Frühjahr 2016 durchgeführte externe Evaluation zum Fusionsprozess – wir haben die Ergebnisse im letztjährigen JahrAus vorgestellt – klar gezeigt hat, dass die schnelle räumliche Zusammenführung der beiden Schulstandorte ein zentraler Erfolgsfaktor für die fusionierte Schule darstellt;
… die neue Schulstruktur auf die Zusammenführung ausgerichtet ist;
… die gleiche Politik, welche die Fusion beschlossen und die Schule zur Umsetzung verpflichtet hat, den erfolgreichen Abschluss damit verhindert und die gemachte Arbeit entwertet;
… damit erneut Steuergelder für provisorische Lösungen ausgegeben werden müssen;
… der Schule die Möglichkeit genommen wird, «Fusionssynergien» zu realisieren, obschon der Sparbeitrag der Schule, der auf den Synergiegewinnen aufbaut, im Schulbudget bereits in Abzug gebracht worden ist.
Wir werden die der Empörung innewohnende Energie nutzen, um uns weiterhin für gute Rahmenbedingungen einzusetzen und unsere Schule für unsere Schülerinnen und Schüler gezielt weiterzuentwickeln.






































